Wenn ich mir im Zusammenhang mit meinen Hunden etwas wünschen dürfte, dann wäre das ganz sicher der Wunsch danach, dass meine Hunde genauso alt werden können wie wir Menschen. Bestimmt kennst du das auch, dieses Gefühl wenn dein Hund allmählich älter wird und sich die ersten Anzeichen in körperlicher Versehrtheit und kleinen Wehwehchen zeigt!
Die Fellfarbe deines Lieblings beginnt sich zu ändern, die Spieleinheiten werden immer kürzer und die Trainingseinheiten verlieren an Dynamik. Mich persönlich machen diese Anzeichen immer sehr nachdenklich. Es wird mir so sehr bewusst, wie begrenzt doch die Zeit ist, die wir miteinander verbringen dürfen. Wie schnell doch die Uhr läuft, und wie wertvoll jede einzelne Minute ist, die wir gemeinsam verbringen. Wie du bestimmt weißt, ist ein ganz besonderer Hund in meinem Rudel nun schon fast 15 Jahre alt. Meine hübsche und perfekte Labi-Mix-Hündin „Luna“.

Seit ca. einem Jahr wird mein Herz immer schwerer, wenn ich sehe wie ihr Körper und ihr Geist abbaut. Als ich letztes Jahr aus Florida zurück kam, musste ich feststellen, dass die Pläne die ich noch mit ihr hatte, wohl nicht mehr, in diesem Maß, umsetzbar sein werden. Bei meinem Abflug war sie noch so fit, dass ich eine neue Choreo mit ihr plante, die ich gleich nach meiner Rückkehr aus den USA mit ihr einstudieren wollte.
Offensichtlich hatte sie aber in dieser Zeit einen kleinen Schlaganfall erlitten. Dies wurde mir klar, als sie plötzlich mit einem Wortkommando und sogar einem Sichtzeichen von mir nichts mehr anfangen konnte. Sie stand da und sah mich fragend an. Verhaltensweisen die sie sich selbst gelernt hatte, konnte sie jedoch noch weiterhin mit Begeisterung ausführen. Sie war auch weiterhin noch voller Lebenslust, obwohl ihr ihr kaputtes Ellenbogengelenk doch häufig große Schmerzen bereitete. Natürlich gab ich ihr Schmerzmittel und versuchte auch durch Akkupunktur die Beschwerden zu mindern – was mir allerdings leider nicht immer gelang.

Zu diesem Zeitpunkt beschloss ich, meine hübsche Luna nun doch öfters daheim zu lassen und sie nicht mehr zu jedem Seminar und zu jedem Auftritt mitzunehmen. Ich dachte, dass ich ihr etwas Gutes tue, wenn ich sie schonen würde. Obwohl Luna immer als erste vor ihrer Box am Auto stand, sobald sie bemerkte, dass es wohl bald wieder los gehen würde – lies ich sie doch in den meisten Situationen zuhause. Bei einem Seminar ist es häufig so, dass die Hunde doch längere Zeit in ihren Boxen verbringen müssen. Natürlich sorge ich immer für entsprechenden Ausgleich – aber dennoch kann man nicht verleugnen, dass so eine Reise, ein Seminar oder auch eine Show für die Hunde durchaus auch anstrengend ist.
Übrigens ist dies auch der Grund, weshalb ich mir niemals einen erwachsenen Hund in mein Rudel hole. Bei mir ist es wichtig, dass die Hunde von kleinauf lernen mit den vielen Wechseln, den langen Reisen und den vielen Eindrücken zurecht zu kommen. Meine Hunde lernen, dass dies der Alltag und nichts Schlimmes ist. So habe ich es natürlich auch der Luna beigebracht. Dies ist auch bis heute so geblieben – meine Luna wird Feuer und Flamme, sobald wir ins Auto steigen. Dabei ist es ihr auch völlig egal, wo es hin geht. Hauptsache sie darf dabei sein!
Das Leben hat mich nun aber eines Besseren belehrt. Am Mittwoch den 07. März 2018 erlitt meine Luna einen schweren Schlaganfall. Es war wirklich ganz schrecklich! Als wir in der Früh aus dem Schlafzimmer kamen, konnte sie nicht mehr laufen. Sobald sie versuchte aufzustehen, kippte sie wieder um. Sie hielt ihren Kopf komplett schief und ihr linkes Auge zuckte ganz fürchterlich. Zu allem Überfluss war es ihr auch so übel, dass sie ständig erbrechen musste. Sie war in einem so jämmerlichen und schrecklichen Zustand, dass Alle aus meiner Familie bei ihrem Anblick weinten. Es war kaum möglich mit ihr in den Garten zu gehen und dennoch gingen wir nach draußen, weil sie ja auch ihr Geschäft erledigen musste. Das Unglaubliche was dabei passierte war, dass sie – obwohl sie kaum laufen konnte – immer wieder hinter mein Auto, an ihre Box lief. Es war so, als wolle sie uns damit etwas sagen. Weil sie in einem so schlechten Zustand war und wir sie auf keinen Fall leiden lassen wollten, rief ich meine Freundin und Tierärztin meines Vertrauens an. Ich bat sie – für den Fall, dass der Zustand sich nicht verbessern würde – am nächsten Tag zu kommen, um sie zu erlösen. Von ihr erfuhr ich auch, was ich momentan für Luna tun konnte, welche Medikamente ich spritzen sollte und wie ich mit ihr umzugehen hatte. Immer wieder zeigte Luna genau das gleiche Verhalten. Sobald sie die Möglichkeit von uns bekam marschierte sie zu ihrer Autobox und wollte einsteigen. Dies machte uns sehr nachdenklich.


Über Nacht geschah dann tatsächlich ein kleines Wunder. Am nächsten Tag ging es Luna deutlich besser und man merkte ihr ihren Lebenswillen und ihren Kampfgeist direkt an. Weil wir an diesem Tag nach Offenburg auf die Messe mussten, weil wir dort mit einer Show gebucht waren, entschieden wir uns, die süße Omi einfach mitzunehmen. Wir packten ihr Medikamentenköfferchen und luden sie in ihre kuschelige Box ein. Wir hatten täglich nur eine Stunde Show – somit hatten wir auch wirklich ausreichend Zeit uns um unsere kranke Fellnase zu kümmern. Ihr Zustand verbesserte sich tatsächlich weiterhin. Weil meine Hübsche immer voller Leidenschaft und Begeisterung mit mir zusammen auf der Bühne war, entschied ich kurzerhand sie sogar mit in den Ehrenring zu nehmen. Noch einmal sollte sie den Applaus bekommen, den sie so sehr liebte. Weil ich selbst durch die ganze schlimme Krankheit von meiner Hübschen sehr angeschlagen war, bat ich meine Freundin Jenny für mich zu moderieren und Lunas Lebensgeschichte zu erzählen. Ich präsentierte die betagte Labi-Dame zusammen mit ihrem Töchterlein Muca. Luna stieg auf den Hocker und bekam Applaus. Ich konnte das Funkeln in ihren Augen sehen und ich konnte fühlen, wie sehr sie dieser Applaus ermutigte zu kämpfen. Ich spürte wie sie den Moment genoss. Und ich selbst – obwohl vor lauter Tränen kaum etwas sah, wusste dass es die absolut richtige Entscheidung war. Meine Luna war auf der Bühne groß geworden – da war es nur logisch, dass die Bühne aus meiner Luna wieder etwas Großes zaubern konnte.
Die Tage danach konnte ich täglich weitere Genesungsschritte vermerken, was mich unglaublich glücklich machte. Ihr Bühnenauftritt ist nun drei Wochen her. Seither hatte ich zwei weitere Auftritte, zu denen ich jedes Mal meine Luna wieder mit dabei hatte.Was ich auch der ganzen Geschichte gelernt hatte war, dass ich meine bezaubernde Omi auf keinen Fall mehr daheim lassen würde. Die Hunde wissen schon was ihnen gut tut. Und wenn die Luna jedes Mal ans Auto geht und sagt „bitte Mami nimm mich mit“, dann werde ich ihn Zukunft nicht denken, dass ich es besser weiß. Ich werde mich einfach auf das Gefühl und den Instinkt meines Hundes verlassen! Ich kann dir einfach nur sagen: es ist unglaublich schön wieder mit Luna „on tour“ zu sein. Und wer weiß, vielleicht schaffen wir es ja doch noch auch eine kleine Choreo aus dem Ärmel zu zaubern!!!!
Liebe Grüße von eurer
Mica Köppel-Haug

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